14.12.2016 Strohbau on the rocks

Strohbau on the rocks

Kurzbericht
„Strohbau on the rocks“ vom 14. -16.10.2016

Vom 14.-16.10. trafen sich etwa 120 Strohbaufans im Seminarhaus in Grainau direkt an der Zugspitze für eine spannende Konferenz über den aktuellen Stand und die Perspektiven des Strohbaus in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich.

Bilder von Herbert Gruber


Es handelt sich um eine sehr aktive Szene, die in den verschiedenen Ländern die Grundlagen für den breiten Einsatz von Strohballen für die Gebäudedämmung legt. Dabei gab es sowohl Beiträge zu lasttragenden Bauten in der Schweiz, bei denen ca. 80cm breite Großballen direkt übereinander gestapelt werden und anschließend innen und außen verputzt werden. Die Last des Daches liegt direkt auf den Ballen und es wird inzwischen 2-geschossig in dieser Bauweise gebaut. Aus Österreich wurden viele Beispiele mit Kleinballen in Holzkonstruktionen vorgestellt mit zum Teil beeindruckenden Bauten.

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Vorstellungsrunde mit Benedikt Kaesberg

Am weitesten ist derzeit die Szene in Frankreich. Dort sind inzwischen mit 5000 Gebäuden die meisten strohballengedämmten Gebäude in Europa entstanden und es gibt ein erhebliches Wachstum. Dabei sind viele normale Wohnhäuser aber auch große Schulen, Bürogebäude, Lagerhallen und vieles mehr. Das höchste Gebäude hat dort 7 Stockwerke. Die Szene ist sehr rege und hat mit Forschungsprojekten, Schulungsprogrammen, einer gut ausgearbeiteten Strohbaurichtlinie, die über 6000 x verkauft wurde, einer sehr aktiven Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyarbeit eine breite Basis für die Bauweise geschaffen. Hintergrund ist eine staatliche Förderung, durch die seit einigen Jahren 6 Personen aktiv an dem Vorhaben arbeiten können.

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Ausbildungsstandorte in Frankreich. Über 5000 Strohbauten wurden dort inzwischen gebaut.

Durch ein EU-Förderprogramm sollen die Aktivitäten der Akteure in Frankreich, Deutschland, England, der Niederlande und Dänemark koordiniert vorangebracht werden, wobei es eine Arbeitsteilung für die Schwerpunktsetzung in den einzelnen Ländern geben wird. In Deutschland wird vor allem das Thema „energetische Sanierung mit Stroh“ bearbeitet werden.

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Vortrag von Manas Melliwa zur Situation in Frankreich und internationalen Kooperationsmöglichkeiten

In einem weiteren Vortrag wurden die Möglichkeiten der engeren Zusammenarbeit mit Wohnprojektgruppen erläutert. Viele der Strohballengebäude in Deutschland sind im Rahmen von Wohnprojekten entstanden und die Szene wird derzeit deutlich größer und ist sehr offen für ökologische Bauweisen mit Strohballen.

Insgesamt gab es auf dem Treffen eine sehr gute Stimmung und bei vielen Akteuren eine erhöhte Motivation, Projektvorhaben zu entwickeln und voranzubringen. Die Strohbau-Szene ist derzeit in Deutschland mit Sicherheit eine der rührigsten und innovativsten Szenen im Bereich des ökologischen Bauens und es wäre ein Gedanke wert, wie wir eine Verbindung zum Naturbaustoffhandel herstellen können.

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Vortrag von Gernot Minke: Strohbau - Vom experimentellen Bauen zum Mainstream

Neben Strohballen brauchen die Gebäude meist auch Lehmputz, Kalkputz, Zellulose für den Fußboden und das Dach, Vollholzdielen, Fenster, etc.. Damit stellen Strohballengebäude einen potentiellen sehr guten Absatzmarkt für den Naturbaustoffhandel dar und der Naturbaustoffhandel sollte die Entwicklung wohlwollend begleiten. In einigen Regionen findet das auch schon statt und das ist ausbaufähig.


Weitere Infos zum Strohballenbau unter:

http://fasba.de/